death futures — sterben, tod, trauer.

2018/19

LunchLab #1: DEATH FUTURES — Sterben, Tod, Trauer.
Prof. Bitten Stetter, Trends & Identity, Zürcher Hochschule der Künste

Von pränatalen Frühförderungsprodukten bis hin zu Konsumgüter für die 3. Lebensphase ist alles fein segmentiert und ausgestaltet, auch die 4. Lebensphase, die aktiven Silver- oder Best-Ager, werden mit Anti-Aging Produkten, Hochleistungsmedizin, das heisst mit lebensverlängernden und -verbessernden Angeboten beglückt. Mit Waren, Services — kurz Angeboten jeglicher Form — schaffen sich Menschen Komfort, Auswahl, Freude und Glück. Sie bringen persönliches Wohlbefinden, Verbesserung des individuellen Lebens, neue Erfahrungen, Lebensqualität und Vergrößern den Handlungsradius. So scheint es selbstverständlich, dass auch Tod und Trauer eine massive Ausgestaltung und Individualisierung erfahren haben. Das Angebot reicht knalligen Särge, über nachhaltige Beerdigungen hin zu eventisierten Bestattung und digitalen Trauerforen,die uns helfen den Tod in nach unseren persönlichen und individuellen Vorstellungen in den Griff zu bekommen. Aber gilt dies auch für die fünfte Lebensphase, die passive oder Sterbephase, oder hört dort unsere Vorstellungskraft und der Wunsch nach Repräsentation und Identifikation auf? Welche neuen anderen Vorstellungen entwickeln sich wenn Trends wie Achtsamkeit, Spiritualität, holistic Health auf uns einwirken und Silicon Valley parallel an Formen von Unsterblichkeit forscht. Unternehmen wie Google und Facebook investieren Millionen in Forschungsprogramme zum „Ewigen Leben“, Kulturwissenschaftler sprechen von einer „Neuen Sichtbarkeit des Todes“, Trendforschung prognostiziert in Folge des demografischen Wandels einen neuen Umgang mit dem Tod und Palliativmediziner suchen nach Möglichkeiten den Tod auch in Zeit der Hochleistungsmedizin und greifbar zu machen.

Der Vortrag wirft einen Blick von der Vergangenheit über die Gegenwart hin zur Zukunft des Todes, macht an Hand von verschiedenen Phänomenen sichtbar, welche Bereiche des Todes (Sterben, Tod, Trauer) derzeit eine Revitalisierung, Enttabuisierung oder eine zeitgemäße Neugestaltung erfahren, zeigt gegenwärtige Moral- und Zukunftsvorstellungen auf und wirft damit Fragen auf wie wir zukünftig sterben und trauern möchten.

Speaker: Prof. Bitten Stetter
Bitten Stetter ist diplomierte Modedesignerin und arbeitet seit 1999 als selbständige Designerin. Sie ist Professorin für Trends & Identity an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK, leitet die Forschung und den Master der Fachrichtung und doziert Bachelor. Seit 2003 führt sie das internationale Label Bitten Stetter fashion & concept. Als selbständige Designerin, Konzepterin und Trendexpertin kooperiert sie mit Kunden wie Adidas, Textilwirtschaft, Betty Bossi, Trend One und Museum für Kommunikation. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Analyse von gesellschaftlichem Wandel, die Konzeption, das Storytelling, die Inszenierung und das Design.
Seit 2015 widmet sie sich dem Themenschwerpunkt und Tod + Design und arbeitet an ihrer Dissertation unter dem Arbeitstitel «Sterbedinge und Care Design».