retro-innovation

2012

Seit 2010 publizieren Judith Mair und Bitten Stetter in enger Kooperation mit Masterstudierenden der Vertiefung Trends an Zürcher Hochschule der Künste, zu gesellschaftsrelevanten Trendthemen im GDI Impuls, Wissensmagazin für Wirtschaft, Gesellschaft und Handel. Innerhalb eines zweiwöchigen Moduls wird ein Trendkommentar visuell und inhaltlich erarbeitet.

Retro-Innovation
Zu neu, um alt zu sein.

Wer heute durch die Zentren der Metropolen schlendert, kann schnell vergessen, dass wir uns im Jahre 2012 befinden, so bevölkert sind die Gehwege von Relikten, Kopien, Zitaten und Revivals des Vergangenen: An der Kreuzung steht der Hipster als Verweis auf den Popper der Achtzigerjahre. Daneben warten Frauen im detailgetreuen Gatsby -Look der Zwanziger, und in den Schaufenstern begegnen uns DABRadios, Tellerröcke und Cat-Eye- Brillen aus den Fünfzigern.
Trendbewusste Männer tragen tannengrüne Canvas-Leder- Rucksäcke, die an die einstige Wanderlust unserer Urgrosseltern erinnern. Sie telefonieren mit iPhones, die in Tonbandkassetten- Hüllen stecken, und spielen Mobilgames wie Pong, Pac Man oder musizieren mit ihrer Synthesizer-App.
WILLKOMMEN IN RETROMANIA «Alles sieht nach Erinnerungen aus. Nur sind Preisschilder daran», witzelt Katrin Kruse in ihrem Artikel «Ich shoppe mir ein Ich zusammen», und Simon Reynolds ergänzt in seinem Bestseller «Retromania»: «Where mass culture and personal memory meet is where retro is spawn.» Statt des originären Neuen regiert heute das Zitat des Zitates des Zitates. In der Mode, der im Gegensatz zu anderen Disziplinen der Rückgriff auf Vergangenes schon seit je innewohnt, ist das nichts Neues. Schon Walter Benjamin beschrieb die Mode «als ewige Wiederkehr des Neuen». Aber gilt das nun auch für alle Designbereiche? Und wie viel Neues braucht das Alte, um neu zu sein oder um zumindest neu zu erscheinen? Antworten auf diese Frage geben Studie- Vielen gilt der Rückgriff auf die Stile, Objekte und Verhaltenscodes der Vergangenheit als pure Nostalgie. Sie verkennen, dass diese archivbasierte Produktionsstrategie eine Vielzahl eigenständiger kreativer Formen hervorgebracht hat. Wie aus gestern Zukunft wird. Studierende des Masterstudiengangs «Trends» der Zürcher Hochschule der Künste in ihrer Studie «Zu neu, um alt zu sein», in der sie Ursprünge, Motive und Techniken des allgegenwärtigen Retrotrends beleuchten. Sie zeigt auf, dass Retro mehr ist als der rückständige Blick auf die Vergangenheit, die Angst vor dem Neuen und die Sehnsucht nach Erinnerungen.

 

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